Nie sind Bilder und Geraeusche intersiver als in einer durchwachten Nacht.  Eine Kette von Ereignissen spielt die Musikinstrumente unserer Umwelt auf einem Ankerplatz in Venezuela.  Es ist drei Uhr morgens. Ein Schupfen hat mich erwischt. Meine Nase läuft, und das Atmen fällt mir schwer. Nein, das Wetter hier ist ist super. Wir haben im  Schnitt 30 Grad Celsius am Tag, und nachts wird es nicht kühler als 25 Grad. Es ist meine erste "karibische Grippe". Geholt habe ich sie mir vorgestern beim  Segeln. Nun sitze ich hier und kann nicht schlafen. Ich sitze im Cockpit und versuche, die letzten zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang herumzukriegen. Wir  liegen vor Anker in der Bucht von Puerto La Cruz. Als wir gestern Abend ankamen, war es schon dunkel. Ich weiß noch gar nicht, wie es hier aussieht. Um  mich her- um sehe ich nur Schatten, "Eine Kette von Ereig vereinzelte Lichter und die spielt die Musikinstru Skyline einer großen Stadt. unserer Umwelt Die  Mondsichel hat sich hinter einer Wolkenwand versteckt. Die Lichter der Stadt reflektieren im Wasser. Wie Lametta am Weihnachtsbaum glitzern sie vom Ufer  bis zu unserem Schiff. Am Horizont erkennt man Hochhäuser, Straßenlaternen, Palmen und natürlich die Leuchtreklamen, die jede Stadt mit sich bringt. Das  Wasser ist glatt. Fast so glatt wie ein Spiegel. Nur ab und zu wirft ein in der Ferne vorbeifahrendes Schiff Wellen auf, die in leichten Wogen un- ser Boot  erreichen. Die Lichter der Stadt lassen mit jeder Woge das Wasser hell aufglitzern. Meine schlaflose Nacht lebt auch von Geräuschen. Man nimmt sie nachts  viel intensiver wahr als am Tag. Leise höre ich das fast schon zufrieden klingende Brum- men eines Schiffsdieselmotors. Es ist weit weg. Sicher ein Fischer  auf dem Weg zur Arbeit. Dann ist da noch das leise Plätschern der Brandung, gleichmäßig im Takt. Ein Rhythmus, dem unser Schiff in leichten  Rollbewegungen folgt. Vereinzelt höre ich eine Alarmanlage, Menschenstimmen, Verkehrsgeräusche. Um mich herum plätschert es ab und zu. Fische  springen aus dem Wasser. Hinter mir zwitschert irgendetwas. Ein Vogel? Nein, es sind Fledermäuse auf der Jagd nach Mücken. Ein Hund bellt, eine Grille  zirpt, und zu allem knarrt rhythmisch das Tauwerk in unseren Masten. Die nächtlichen Klänge einer Stadt. Schon fast ein Lied, alles passt irgendwie  zusammen. Die Geräusche der Natur und die der Stadt vereinen sich. Das Brummen der Fischkuttermotoren, das Rauschen schen der Brandung, die durch  den Schwell der Fischkutter entsteht:  Am Tag werden sie von uns oft nicht wahrgenommen, doch in der Nacht wirken sie fast schon unheimlich. Ich sitze im  Cockpit eines kleinen Holzschiffes irgendwo in Venezuela. Tausende Kilometer von daheim ent- fernt. Ich kann nicht schlafen, und mir läuft die Nase. Aber ich  bin glücklich, hier sitzen zu können. Hätte ich zuhause jemals die Zeit gehabt, mich mit meiner Umwelt so intensiv auseinanderzusetzen? Sicher nicht. Dort  leben wir in einer schneIllebigen Zeit. Oft geplagt von Leistungsdruck und Stress.